Meine Lieblingstechnologie heißt persönliche Kommunikation

Veröffentlicht am Kategorien Agentur, Kreativschmiede

“Als Grafik-Designer ist durchgehendes Lernen gefordert. Kunden, Programme, Entwicklungen, Technologien: Alles musst du beherrschen um gute Ergebnisse zu erzielen.”

Daniel Fürst im Interview. Er leitet seit acht Jahren die Abteilung Kreation & Gestaltung bei rta.design.

Kässpatzen oder Leberkäs?
Kässpatzen, weil ich Allgäuer bin.

Was kann man bei Regenwetter im Allgäu tun?
Auf’s Ofenbänkle hocken.

Vormittag oder Nachmittag?
Da ist Vormittag oder Nachmittag egal.

Wann arbeitest du am liebsten kreativ?
Kann ich nicht beantworten, die Ideen kommen, wenn sie bereit dazu sind. Das kann spontan sein oder man geht eine Weile schwanger damit, dann kommen die Ideen oft außerhalb der Arbeitszeit und zu keiner bestimmten Tageszeit (bei mir häufig beim Auto fahren). Der Kreativprozess ist ergebnisoffen und die eigentliche „Arbeit“ findet unterbewusst statt, echte Arbeit ist die Informationssichtung und die Umsetzung der Ideen.  das ist dann aber nicht besonders kreativ.

Was macht deinen Job so besonders?
Du hast die Möglichkeit in ganz viele Bereiche reinzuschnuppern mit denen du sonst nichts zu tun hast. Reindenken in Themen und Menschen, das ist das Besondere. In meinem Job als Grafik-Designer ist durchgehendes Lernen gefordert. Kunden, Programme, Entwicklungen, Technologien: Alles musst du beherrschen um gute Ergebnisse zu erzielen, denn alles ist ständig im Wandel, hat keinen festen Wert, und muss von dir immer in der Gegenwart eingeordnet werden.

Wie viele seit ihr in der Grafik und wie leitest du das Team?
Wir sind überhaupt nicht hierarchisch organisiert. Dafür sind wir mit 5 Personen zu klein. Kreativität braucht Entfaltungsmöglichkeiten, die durch Strukturen eingeschränkt werden. Jeder wird dasselbe Thema anders anpacken und zu anderen Ergebnissen kommen. Das fördern wir.

Was sind eure Aufgaben?
Wir teilen uns Print und digitale Produkte auf. Jeder macht das, was er am besten kann. Es findet aber immer ein Austausch statt, weil Kunden oft beides benötigen. Gewisse Gestaltungsgrundsätze sind in allen Bereichen gleich, andere sind speziell. Wir sorgen auch dafür, das jeder interdisziplinär Erfahrungen sammeln darf. So können wir uns immer gegenseitig ersetzen, wenn mal jemand ausfällt. Für digitale Umsetzungen kommt der Austausch mit der Entwicklung dazu. Für Printprodukte ist die Druckvorstufe auch Teil unserer Arbeit.

Gibt es Mechanismen oder Prozesse, die ihr für den Workflow nutzt?
Ja, auf jeden Fall. Gerade die Qualitätssicherung muss gewährleistet sein, bevor etwas zum Kunden geht. Wir besprechen uns ständig. Wir entwickeln Ideen zusammen, sondieren und entscheiden gemeinsam. Dazu kommt der Austausch mit dem Projektmanagement, die als zusätzlicher Filter fungieren. Der Kunde bekommt so immer etwas, hinter dem wir geschlossen stehen.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um in eurem Team zu arbeiten?
Gestalter sind ein eigener Menschenschlag. Und das ist auch gut so. Man muss Freude daran haben, Dinge aus dem Nichts zu erschaffen und sich in Themen hineinzudenken. Programme und Fähigkeiten wiederum sind erlernbar. Das ist nur Werkzeug. „Ich kann mit Photoshop umgehen“ ist noch lange kein Zeichen dafür ein guter Designer zu sein. Dazu gehört mehr. Eine gute Portion Kreativität, Lust am gestalten und Neugier an Themen und Menschen sind die wichtigsten Voraussetzungen bei uns. Um wirklich kreativ zu arbeiten muss ich viele Informationen verarbeiten, diese ordnen und strukturieren. Es geht in unserem Beruf oft nicht um Schönheit, sondern darum, ein Ziel zu erreichen. Wir müssen dafür sorgen, dass Informationen vom Sender zum Empfänger transportiert werden. Dafür muss ich den Kunden und seine Produkte verstehen. Falls nicht, kann ich im besten Fall nur abarbeiten. Das hat mit Kreativität dann nicht mehr viel zu tun. Mit dem Ergebnis wird keiner zufrieden sein.

Wie läuft ein Tag bei dir ab?
Als erstes checke ich meine Mails wie jeder. Dann nehme ich mir meist 5 Minuten und lese, was die Grafikwelt so treibt, damit ich im Bilde bin, ob es neue Entwicklungen gibt. Und dann geht‘s los.

Gibt es regelmäßige Meetings?
Meetings machen wir nur, wenn es nötig ist. Bei der Teamgröße brauchen wir keine Regeltermine. Sicherlich macht das Sinn, wenn wir größer werden und uns über den Tisch und auf Zuruf nicht mehr abstimmen können.

Wie werden in eure Kreativprozesse andere Disziplinen einbezogen?
Das übernimmt das Projektmanagement. Beim Kick-off wird ja schnell klar, welche Fähigkeiten für das Produkt gebraucht werden. Wird es zum Beispiel eine Corporate Website, ist die frühzeitige Einbindung der Frontend-Entwickler nötig. Gut, das die direkt im Nachbarbüro sitzen.

Was macht dir in deiner täglichen Arbeit besonders viel Freude?
Kreativität und Umsetzung gleichermaßen. Es ist schön, wenn die Idee dann auch in der Umsetzung durchgetragen werden kann und man merkt, dass es funktioniert. Das ist dann der Proof of Concept.

Wie bekommst du deinen Kopf frei?
Ich gehe angeln, Pilze suchen oder in die Werkstatt. Ich mag Ergebnisse, das trifft für alles zu. Ich angel um den Fisch anschließend zuzubereiten, ich gehe ich in die Werkstatt um ein Brettchen zu hobeln, das ich in der Küche verwenden kann.

Workflow-Optimierung und neue Technologien. Kannst du damit was anfangen?
Workflow-Optimierung findet bei uns durchgehend statt, weil kein Workflow dem anderen gleicht. Kundenwünsche sind immer anders, entsprechend muss man sich organisieren. Meine Lieblingstechnologie dafür heißt persönliche Kommunikation. Da kommt das meiste rüber: Gestik, Mimik und natürlich die verschiedenen Ebenen des gesprochenen Wortes. Wir sind so einfach am schnellsten.

Wie stehst du zum digitalen Wandel aus Sicht des Designers?
Ich habe vor 20 Jahren Werbe- und Medienvorlagenhersteller gelernt. Die Ausbildung gibt es gar nicht mehr. Warum nicht? Weil Medienkonsum und Medienproduktion sich stark gewandelt haben. Nach wie vor liebe ich Printprodukte, da sie gewisse Vorteile haben. Mit einem iPad kann man eben schlecht den Ofen anzünden. Nein, es geht natürlich um Haptik, um Material, um Nostalgie, um ein Leseerlebnis, das digital nicht herstellbar ist. Dennoch nutzen die Menschen heute mehr die digitale Kommunikation in ihrer Freizeit und vor allem im Beruf. Darauf muss man sich als Designer einstellen, schließlich ist unsere Aufgabe die Botschaft zum Empfänger zu transportieren. Also muss ich wissen, was nutzt der Empfänger wann und wie. Andererseits, wenn wir irgendwann nur noch ausschließlich digital kommunizieren, in unserem Kämmerchen hocken, essen bei Amazon bestellen und uns nicht mehr treffen: dann gehe ich in den Wald.:-)

Mehr aus der Kreation findest du im Beitrag “Digitaler Alltag wird immer realer inszeniert.”

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